Im folgenden können Sie sich über die Klassische Homöopathie informieren. Falls Sie mal einen Begriff nicht verstehen, besteht die Möglichkeit diesen im Homöopathie Lexikon nach zu lesen.
Hier nun grundlegendes zur klassischen Homöopathie auf einen Blick:
Was ist Klassische Homöopathie?
Kurz gesagt ist die Klassische Homöopathie eine sanfte, ganzheitliche und nachhaltige Medizin, deren Wirkung auf dem sogenannten Ähnlichkeitsprinzip beruht.
Teilweise wird die Homöopathie auch als Reiz- oder Regulationstherapie bezeichnet, da der Homöopath versucht durch ein passendes homöopathisches Arzneimittel einen Reiz zu setzten, der die Lebenskraft wieder ins Gleichgewicht bringt, um dadurch die Krankheit mit all ihren Symptomen zu kurieren. In der Homöopathie versteht man Symptome als Hinweise, die Aufschluss auf die Störung im Hintergrund geben.
Man könnte auch sagen, Symptome sind wie kleine Warnlämpchen, die alarmieren wollen, das eine Störung vorliegt.
Es wäre also unsinnig nur die Warnlämpchen kaputt zu machen, wenn sie aufleuchten. Es gilt zu ergründen was das ursächliche Problem ist und dieses dann zu behandeln.
Oder mit einem anderen Bild gesprochen, geht es darum, den Nährboden (Konstitution) zu harmonisieren, so dass er für Unkraut (Krankheit) uninteressant wird.
Der Homöopath versucht daher den Zustand des Patienten mit allen hervorstechenden Symptomen, Modalitäten und individuellen Merkmalen im Gespräch zu erfassen und daraufhin ein potenziertes Arzneimittel zu verschreiben, welches in seinem Wirkungsmuster dem zuvor skizzierten Bild möglichst ähnlich ist.
Dies ist ein wichtiger Punkt! Das Ziel ist es ein homöopathisches Arzneimittel zu finden, welches dem gesamten skizzierten Bild ähnlich ist und nicht nur einzelnen Symptomen.
Homöopathie ist keine Anti-Therapie, bei der z.B. ein Mensch mit Bluthochdruck, Fieber und Depressionen drei verschiedene Mittel erhält (Antihypertensivum, Antipyretikum, Antidepressivum). Das Ziel ist immer die Krankheit als ganzheitliche, unteilbare und einzigartige Entität zu erfassen und daraufhin ein korrespondierendes homöopathisches Arzneimittel zu geben, welches diesem Gesamtbild so ähnlich wie möglich ist.
Das Ähnlichkeitsprinzip bzw. Similie-Prinzip:
„Similia similibus curentur“ - Ähnliches möge mit Ähnlichem geheilt werden.
Oder anders ausgedrückt: Eine Krankheit wird durch ein Arzneimittel geheilt, welches am Gesunden ähnliche Symptome hervorzubringen vermag.
Dies ist die oberste Leitlinie der klassischen Homöopathie.
Ein praktisches Beispiel:
Es ist bekannt, das die Küchenzwiebel (Allium cepa) beim Gesunden Fließschnupfen und brennende, tränende Augen hervorrufen kann. In der Homöopathie hat sich die Küchenzwiebel in potenzierter Form als gutes Mittel gegen akuten Fließschnupfen in Verbindung mit brennenden, tränenden Augen bewährt.
Zwei ähnliche Amplituden die gegeneinander laufen, sich dadurch auslöschen und somit eine Nullinie bilden wäre ein mögliches Bild, welches dieses Wirkungsprinzip veranschaulicht.
Besonders bei einer Ganzheit, einer Summe von Symptomen und Eigenschaften ist das Ähnlichkeitsprinzip ein sehr einleuchtendes Wirkungsprinzip.
Zugegebenermaßen lässt sich bei einzelnen Attributen noch leicht ein Gegenteil finden (z.B. heiß/kalt, hell/dunkel etc.), doch bei
sogenannten „Totalitäten“ also bei der Summe von Attributen oder Symptomen gibt es keine eindeutigen allgemeinen Gegenteile.
Fragt man beispielsweise 100 Leute nach dem Gegenteil einer Maus, werden die verschiedensten Antworten kommen, wie z.B: (Elefant, aufgrund der Größe...), (Katze, weil sie Mäuse frisst...), Kieselstein (uneben und Mineral...), Sonnenblume (Pflanze, unbeweglich, bunt etc.)
Fragt man nach dem Ähnlichsten, werden die Antworten schon sehr viel übereinstimmender. Man ist dann eher geneigt an ein anderes kleines Nagetier zu denken, wie z.B. Ratte oder Chinchilla.
Da Krankheit aus homöopathischer Sicht eine Totalität bzw. einen Gesamtzustand darstellt, ist es nahe liegend, das man mit dem Anspruch einer ganzheitlichen Therapie an dem Ähnlichkeitsprinzip schwer vorbeikommt.
Wie kam es zu der Entdeckung des Ähnlichkeitsprinzips“ und der Homöopathie?
Samuel Hahnemann übersetzte viele medizinische Werke seiner Zeit, da er neben seinen umfangreichen medizinischen Kentnissen diverse Sprachen beherrschte.
1790 stolperte Samuel Hahnemann bei der Übersetzung eines Werkes von William Cullen („Abhandlung über die Materia Medica“) vom Englischen ins Deutsche über eine Aussage zur Chinarinde. Es war bekannt, das die Chinarinde häufig bei intermittierenden Fiebern, wie bzw. Malaria heilende Eigenschaften gezeigt hatte. Cullen schrieb dies den Bitterstoffen zu.
Hahnemann zweifelte jedoch diese These an, denn viele Pflanzen enthalten Bitterstoffe und hätten demnach gegen Malaria wirksam sein müssen.
Er folgerte daraus, dass nicht die Bitterstoffe allein entscheidend sein konnten. Es musste etwas mit dieser Pflanze als ganzes zu tun haben.
In seiner Neugierde und seinem Forscherdrang entschloss sich Hahnemann zu einem Selbstversuch.
Ohne selbst an Malaria erkrankt zu sein, nahm er über mehrere Tage zweimal täglich je vier Quentchen Chinarinde ein. In den folgenden Tagen erlebte Hahnemann sämtliche Symptome der Malaria an sich, ohne den Erreger in seinem Körper zu haben. Die Symptome wiederholten sich jedesmal, wenn er die Gaben erneuerte, sonst nicht. Nach Absetzen der Chinarinde verschwanden alle Symptome wieder.
Dieser Selbstversuch gilt als die Geburtsstunde der Homöopathie.
Denn Hahnemanns Schlußvolgerung war, das die Chinarinde diese Heilkraft bei intermittierendem Fieber besitzt, weil sie die Fähigkeit besitzt beim Gesunden Krankheitssymptome hervorzurufen, welche für das intermittierende Fieber bezeichnend sind.
Hahnemann führte in den darauffolgenden Jahren noch etliche weitere Arzneimittelprüfungen durch und versuchte mit naturwissenschaftlicher Gründlichkeit hinter den gemachten Erfahrungen ein Naturgesetz zu erkennen.
Dieses Gesetz formuliert er später mit: similia similibus curentur („Ähnliches werde durch Ähnliches geheilt“) und beschreibt es ausgiebig in seinem „Organon der Heilkunst“, welches 1810 als erstes Homöopathie Lehrbuch veröffentlicht wurde.
Hahnemann war allerdings nicht der erste, der dieses Wirkungsprinzip erwähnte, jedoch der erste der es mit diesem unglaublichen Eifer und naturwissenschaftlicher Akribie erforschte und darauf aufbauend ein eigenständiges Heilsystem entwickelte – die Homöopathie.
Was sind homöopathische Arzneimittel?
Homöopathische Arzneimittel sind nicht von den Menschen erfunden, sondern stammen aus allen Bereichen der Natur, wie z.B. dem Mineralreich, dem Pflanzenreich, dem Tierreich.
Lediglich die homöopathische Aufbereitung der Arzneimittel hat der Begründer der Homöopathie Samuel Hahnemann in seinem Bestreben, schneller, sanfter und dauerhafter zu heilen, entwickelt. Er probierte verschiedene Methoden der Verdünnung, Verreibung und Verschüttelung aus, bis er schließlich, die noch heute nach seinen Vorschriften praktizierte Art der homöopathischen Arzneiherstellung, das so genannte Potenzieren entwickelt hatte.
Diese Arzneiaufbearbeitung besteht aus mehreren Schritten, in denen die Ausgangssubstanz in einem genau festgelegtem Ablauf von Verreibung, Verdünnung und Verschüttelung zum homöopathischen Arzneimittel potenziert wird.
Da man für die Herstellung homöopathischer Arzneimittel nur sehr geringe Mengen an Ausgangsstoff benötigt, werden die natürlichen Ressourcen der Erde nicht geschröpft und durch das Verständnis, das jeder Stoff um uns herum ein potentielles Heilmittel ist, wird um so deutlicher, wie wichtig die Erhaltung der Artenvielfalt ist.
Krankheit und Heilung aus homöopathischer Sicht:
Die Homöopathie betrachtet den Körper nicht als eine mehr oder weniger komplizierte Maschine, deren defekte Teile man nur zu reparieren braucht, um sie weiter am laufen zu halten, sondern als ein großes Gesamtregulationssystem von Körper und Geist, bei dem eine Störung der Gesamtregulation verschiedenste Krankheitssymptome hervorrufen kann.
Die Homöopathie geht von einem ganzheitlichen und unteilbarem Krankheitszustand aus, der für eine ganzheitliche Heilung ein Arzneimittel bedarf, welches eben diese Ganzheit abdeckt.
Aus homöopathischer Sicht wäre also ein verschwundener Hautausschlag allein noch keine Heilung, solange z.B. depressive Zustände bestehen blieben.
Mit anderen Worten wird Krankheit als eine Störung der Lebenskraft verstanden, die immer sowohl den Körper als auch den Geist betrifft.
Ein Symptom (wie z.B. Kopfschmerzen) wird in seinen Modalitäten (z.B. Besserung durch Druck oder Verschlechterung durch Wärme etc.), wie auch in seiner Empfindung (z.B. hämmernd, klopfend, berstend, reißend oder ziehend etc.) individuell komplett unterschiedlich erfahren.
Ebenso wird auch auf mentaler Ebene ein und das selbe Symptom (z.B. Kopfschmerzen) die unterschiedlichsten Auswirkungen haben.
Der eine Mensch mag sich vielleicht vorrangig wegen dem Symptom bemitleiden, ein anderer darüber ärgern usw.
Die Möglichkeiten sind zahlreich.
Hier gilt es dann, sofern man mit der „Neuen Methode nach Dr. Rajan Sankaran“ arbeitet, weiter zu differenzieren.
Denn auch Selbstmitleid, Zorn, Angst etc. werden absolut individuell erfahren.
Um homöopathisch behandeln zu können ist es von sekundärem Interesse, ob es zu einem Symptom, (wie z.B. Schmerzen) auch ein körperlich diagnostizierbares Leiden gibt.
Es gibt nicht wenige Menschen, die beispielsweise unter starken Rückenschmerzen leiden, obwohl Wirbelsäule und Bandscheiben auf dem Röntgenbild völlig intakt sind.
Genauso wie es auf der anderen Seite Menschen gibt, die nach ihrem Röntgenbild zu urteilen höllische Schmerzen erleiden müssten, jedoch nicht den kleinsten Schmerz verspüren.
Kurzum, für die Klassische Homöopathie zählen vorrangig die wahrnehmbaren Symptome und persönlichen Besonderheiten, was natürlich nicht heißt, das die Klassische Homöopathie klinische Diagnosen ablehnt!
Klinische Diagnosen können durchaus zu einer guten homöopathischen Verschreibung beitragen, da sie dabei helfen, das Individuelle, Außergewöhnliche und Spezifische vom „normalen“ bzw. gewöhnlichen zu differenzieren.
Was ist der Unterschied zwischen Homöopathie und klassischer Homöopathie?
Leider wird der Begriff Homöopathie häufig auch für Verfahren verwendet, die mit der Homöopathie im Ursprung nichts zu tun haben.
So wird beispielsweise heutzutage viel Werbung für Präparate gemacht, die aus vielen verschiedenen homöopathisch aufgearbeiteten Einzelmitteln zusammengesetzt sind und bei einem bestimmten Krankheitsbild, wie z.B. Husten helfen sollen (sog. Komplexmittelhomöopathie).
Ein solches Zusammenmischen von verschiedenen Substanzen entspricht aber in keinster Weise dem homöopathischen Anspruch der Ganzheitlichkeit und ursächlicher Heilung, außerdem entbehrt es jegliche homöopathische Methodik.
Grundlegende Eckpfeiler der Homöopathie nach Hahnemann sind das Konzept eines ganzheitlichen und unteilbaren Krankheitszustandes, der durch Symptome am kranken Menschen beobachtet werden kann, sowie die Behandlung dieses Gesamtzustandes durch ein homöopathisches Arzneimittel, welches in seiner Symptomentotalität dem Gesamtzustand am ähnlichsten ist.
Um eine bessere Abgrenzung von solchen Verfahren zu schaffen, wurde irgendwann der Begriff der klassischen Homöopathie aufgegriffen, der sich einzig auf die ursprüngliche wissenschaftliche Homöopathie Hahnemanns bezieht.
© 2007
Heilpraktiker Philip Witt
Praxis für Klassische Homöopathie
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