Heilpraktiker Praxis für Klassische Homöopathie Hamburg Philip Witt

 

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Gruppenanalyse:

Was versteht man unter dem Begriff Gruppenanalyse in der Homöopathie?

Wenn in der Homöopathie von Gruppenanalyse gesprochen wird ist im allgemeinen das vergleichende Betrachten verschiedener homöopathischer Arzneien mit Untersuchung ihrer Gemeinsamkeiten gemeint.

Das Vergleichen von verschiedenen Arzneien auf gemeisame oder ähnliche Themen hat es zwar schon seit Anbeginn der Homöopathie gegeben, früher fand es aber eher im kleinen statt. Vergleichende Arzneimittellehren entstanden, die meist zwei Arzneimittel nebeneinander gestellt haben und ihre gemeinsamen Punkte und Unterschiedlichkeiten beleuchtet haben.

Das Vergleichen der Arzneien in der Frühzeit der Homöopathie:

Schon in der Frühzeit der Homöopathie gab es den Wunsch nach einer Versystematisierung des Arzneimittelwissens. Die Möglichkeiten diese Systematik in die Praxis umzusetzen waren allerdings sehr gering, vor allem weil es damals noch nicht so viele gut bekannte homöopathische Arzneien gab und natürlichlich auch weil die technologischen Möglichkeiten, auf die wir heutzutage zurückgreifen können, nicht gegeben waren.

So tat einer der alten homöopathischen Meister, Dr. Constantin Hering den Ausspruch:

„Bei dem jetzigen Stande der Naturwissenschaften kann (anders als in der Homöopathie) alles nach den  Verwandtschaften überblickt  ... das Allgemeine der verschiedenen Klassen und Familien gelehrt werden....Das Studium wird dadurch außerordentlich erleichtert.  Allein da wir die Materia Medica noch nicht so ausgebildet haben ..., so müssen wir diesen erleichternden Überblick wohl entbehren. Wir müssen deswegen aber doch den Weg verfolgen, der allein zu diesem Ziele führt, so mühsam er auch sein mag. ... die Zeit kommt hoffentlich bald, wo wir wie Naturhistoriker über unsere Mittel sprechen können, wo wir wie diese verstehen werden, vollständige Beschreibungen zu geben, bei denen alle Nebensachen weggelassen sind. Die Zeit kommt hoffentlich bald, wo wir auch in der Arzneimittellehre wissen, was wesentlich ist und was nicht."

Ebenso gab es später andere namenhafte Homöopathen die versuchten in diese Richtung zu arbeiten, wie z.B. John Henry Clarke oder Otto Leeser, aber eben auf Grund der damaligen Eingeschränkten Möglichkeiten nur mit fragmentarischem Erfolg.

Mittlerweile haben sich die Dinge glücklicherweise geändert. Dank der modernen Computertechnologie, einer gewachsenen Arzneimittellehre und dem heutzutage so leichet gewordenen internationalen Erfahrungsaustausch hat das Vergleichen von Arzneimitteln praktisch einen Quantensprung gemacht.

Die Gruppenanalyse von Dr. med. Jan Scholten:

Einer der Pioniere auf dem Gebiet der homöopathischen Gruppenanalyse war der holländische Arzt und Homöopath Dr. med. Jan Scholten. Wahrscheinlich war es seinem Chemiestudium zu verdanken, das er es wagte die Repertorien, Arzneimittellehren und seinen eigenen Erfahrungsschatz vergleichend zu betrachten und die Ergebnisse zu veröffentlichen. Denn er widmete sich besonders dem Vergleichen von homöopathischen Arzneien mineralischen Ursprungs.

Das erste Werk in welchem er diese Erkenntnisse zusammenfasste wurde in deutscher Sprache Anfang der 90er Jahre unter dem Titel: "Homöopathie und Minerale" publiziert.

Später wagte Scholten zusätzlich den Schritt, ausgehend von seinem Verständnis der Gemeinsamkeiten gut bekannter mineralischer Arzneimittel, Rückschlüsse auf bis dahin in der Homöopathie unbekannte Elemente zu ziehen.

Dies war ein revolutionäres Vorgehen, welches ihm jedoch nicht nur Sympathien einhandelte, da er sich durchaus den Vorwurf gefallen lassen musste den sicheren Boden der verifizierten Daten verlassen zu haben.

Nach wie vor liegt in diesem Punkt die Hauptgefahr dieses Vorgehens. Allerdings haben sich im Nachhinein die meisten postulierten Beschreibungen Scholtens zu den bis dato unbekannten potenziellen Arzneien verifizieren lassen. So das diese Art des Vorgehens mit einer gewissen Portion Vorsicht sehr förderlich sein kann.

Die Gruppenanalyse durch Dr. med. Rajan Sankaran und die "Bombay-Methode":

Scholtens Ideen wurden unter anderem von einigen Homöopathen aus Bombay aufgegriffen und weiterentwickelt. Vor allem der indische Arzt Dr. Rajan Sankaran hat sich einen Namen durch seine Art der Verwendung der Gruppenanalyse und die daraus resultierenden fruchtbringenden Ergebnisse gemacht. Unterstützt von Kollegen wie Dr. Jayesh Shah, Dr. Sudhir Baldota, Dr. Sujit Chatterjee und seiner Frau, der Homöopathin Divya Chabra hat er eine neue Methode entwickelt, die das Patienten- und Arzneimittelverständnis weiter verfeinert. Die Gruppenanalye leistete einen wichtigen Beitrag bei der Entwicklung dieser neuen Methode. Dr. Rajan Sankaran veröffentlichte unter anderem das Werk: "Einblicke ins Pflanzenreich", welches erstmals Gemeinsamkeiten homöopathischer Pflanzenfamilien in umfassender Art und Weise präsentierte. Charakteristisch für die Arbeit der Homöopathen rund um Dr. Rajan Sankaran ist es, das sie versuchen die Störung der Lebenskraft in noch tieferer Art und Weise zu verstehen und die Gemeinsamkeiten von Arzneien vor allem auf der sogenannten Empfindungsebene heraus zu arbeiten.

Mittlerweile arbeiten tausende Homöopathen weltweit an der Verfeinerung dieser neuen Methode und dem daraus resultierenden Arzneimittelverständnis.

Das verblüffende ist, das die Resultate in den meisten Fällen mit den Erkentnissen anderer Disziplinen, wie der Zoologie, Botanik oder Chemie korrespondieren, obwohl sich der Ansatz der Homöopathen um Dr. Rajan Sankaran rein an den bekannten Daten aus Arzneimittelprüfungen, Arzneimittellehren, Repertorien und den Erkenntnissen aus geheilten Fällen orientiert.

Die Gruppenanalyse nach Massimo Mangialavori:

Der italienische Arzt Massimo Mangialavori ist ein weiterer Homöopath, der in Verbindung mit der Gruppenanalyse zu nennen ist. Sein Hauptfokus richtet sich auf das Vergleichen von geheilten Fällen, er zieht aber auch das Repertorium und die Arzneimittellehren für ein besseres Verständnis heran. Wie auch die anderen Homöopathen, welche die Gruppenanalyse nutzen geht es ihm darum wenig bekannte Arzneimittel besser zu verstehen um sie mit der gleichen Sicherheit verschreiben zu können, wie Arzneien, die gut geprüft sind und sich vielfach bewährt haben. Die von ihm betriebene Gruppenanalyse unterscheidet sich aber in einigen Punkten von dem Vorgehen der oben genannten Richtungen. Mangialavori vergleicht Arzneien nicht nur nach ihrer wissenschaftlichen Verwandtschaft, sondern auch nach bekannten gemeinsamen Themen und ordnet sie auf diese Weise. Die Themen die sich dabei heraus kristallisieren betreffen meist die körperliche oder emotionale Ebene.

Die Gruppenanalyse fördert die Individualisierung in der Arzneimittelwahl:

Letztendlich ist die Gruppenanalyse ein mächtiges Werkzeug für das Verständnis von homöopathischen Arzneimitteln und lässt den Arzneimittelschatz der Homöopathie nicht nur in rasantem Tempo wachsen, sondern sorgt auch dafür, das diese Erkenntnisse durch seine Versystematisierung leichter nutzbar gemacht werden.

Wenn man sich vor Augen hält, das praktisch jeder Stoff um uns herum als homöopathisches Arzneimittel aufgearbeitet werden und dienen kann, ist schnell klar, wie wichtig eine solche Versystematisierung für die Homöopathie ist.

© 2007

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