Was versteht man unter Miasma in der Homöopathie?
Der Begriff Miasma (Plural: Miasmen) ist ein Begriff, der in der homöopathischen Welt schon zu viel Uneinigkeit geführt hat.
Es gibt verschiedene Richtungen in der Homöopathie und nicht alle haben die gleiche Ansicht, wie der Begriff zu sehen ist, oder wie die Arbeitshypothese der Miasmen anzuwenden ist.
Ursprünglich wurde dieser Begriff durch Samuel Hahnemann geprägt und bedeutet im wörtlichen Sinne so viel, wie Verunreinigung oder Befleckung.
Hahnemann machte zu Beginn der Homöopathie Entwicklung die Entdeckung, dass seine homöopathischen Arzneimittel nur Anfangs gute Erfolge erzielten, auch wenn er sie noch so sorgfältig und gut ausgewählt hatte. Bei chronischen Erkrankungen brach der Heilungsverlauf jedoch irgendwann ein. Er forschte nach dem Grund für diesen Heilungseinbruch und formulierte seine Erkenntnisse in dem Werk „Die Chronischen Krankheiten“: Er war der Ansicht, dass der Homöopath „folglich möglichst den ganzen Umfang aller der dem unbekannten Ur-Übel eigenen Zufälle und Symptome erst kennen müsse, ehe er sich Hoffnung machen könne, eine oder mehrere, das Grundübel mittels ihrer eigentümlichen Symptome homöopathisch deckenden Arzneien auszufinden... .„
Diese "Ur-Übel" nannte er Miasma.
Er sah darin eine chronische Krankheit, die durch Ansteckung oder Erbschaft weitergegeben wird und von der sich der Organismus nicht ohne Hilfe von Außen befreien kann.
Hahnemann nannte zu seiner Zeit drei grundsätzliche Miasmen: Die Psora, die Sykose und die Syphlis.
Er beschrieb diese drei Miasmen als Veränderungen und Reaktionsweisen eines Organismus, die sich zwar aus den Grundkrankheite: Krätze (= Psora), Gonorrhoe (= Sykose) und Syphilis (= Lues) ableiten lassen, aber nicht unmittelbar an diese gebunden sind.
Diese Sichtweise veranlasste Hahnemann auch nach vergangenen Ereignissen, Symptomen etc. und der familiären Krankheitsbelastung des Patienten zu fragen und nicht nur nach den aktuellen Symptomen.
Die familiäre Krankheitsbelastung nennen Homöopathen auch Primäre Miasmatik.
Alles was sich in der Biographie an Erkrankungen finden lässt, inklusive Impfbelastung und unterdrückten Hautausschlägen, nennen Homöopathen Sekundäre Miasmatik.
Im Laufe der Zeit haben einige Homöopathen der Geschichte und Neuzeit, den Begriff Miasma individuell als Arbeitshypothese jeweils etwas anders ausgelegt. Außerdem gab es einigen Richtungen eine feinere Differenzierung und Ergänzung der Miasmen, oder einfach eine Erweiterung.
Das Miasmen Konzept von Dr. Rajan Sankaran:
Für eine bessre Differenzierung ergänzte Dr. Rajan Sankaran die drei sogenannten „Miasmen“ Hahnemanns um weitere sieben. Wobei er damit anders als Hahnemann, der Miasmen als Begriff für infektiöse und vererbare Metakrankheiten einführte, eher allgemeine Reaktionsmuster beschreibt. Beispielsweise nimmt er den Begriff „Akutes Miasma“ für eine Dynamik, die sich auf körperlicher und geistiger Ebene sehr plötzlich ausdrückt (also plötzliche Kopfschmerzen, plötzliche Traurigkeit etc.).
Sankaran sieht die Miasmen nicht wie Hahnemann als Krankheitswurzel an. Für ihn sind die Miasmen eine systematische Einteilung, mittels derer der Homöopath benennen kann, mit welcher Geschwindigkeit, Tiefe und Verzweiflung der Patient sein Problem wahrnimmt. Sein Miasmen Konzept dient dazu, die Arzneimittelwahl zu erleichtern. Er klassifiziert dabei in vier Hauptmiasmen: Akut, Psora, Sykosis und Syphilis und sechs Zwischenformen: Typhös, Ringwurm, Malaria, Tuberkulös, Krebs und Lepra.
Die Namen leiten sich von den jeweiligen bekannten klinischen Krankheitsbezeichnungen her und deuten auf ein Energiemuster hin, welches ihnen zu Grunde liegt. Das Malaria-Miasma impliziert also nicht, das der Patient auch wirklich unter Malaria leidet, oder einmal gelitten hat, jedoch, das er das Energiemuster in sich trägt und auch eine erhöhte Neigung zu Erkrankungen aufweist, die diesem entsprechen.
Hier in sehr gekürzter Form das Erleben der verschiedenen Miasmen nach Dr. Rajan Sankaran:
Die Hauptmiasmen:
Akutes Miasma:
Das Problem wird als etwas temporäres aber plötzliches, gefährliches und lebensbedrohliches erfahren. Es gibt viel Hoffnung auf Wiederherstellung des Normalzustandes, aber gleichzeitig besteht eine Bedrohung für das Leben. Panik ist das Reaktionsmuster. Es kommt entweder zu einem instinktiven, reflexartigem Kampf, oder einer Fluchtreaktion.
Psorisches Miasma:
Die Empfindung wird als permanent erfahren, die mit Stress und dem Zweifel einhergeht, das Problem zu bewältigen. Allerdings besteht keine große Verzweiflung, es gibt sehr viel Hoffnung. Es handelt sich bei dem psorischen Miasma aus einer Mischung aus Zweifel und Hoffnung. Die Reaktion mit der darauf reagiert wird ist Anstrengung, ein permanentes, ständiges Ringen und Kämpfen.
Sykotisches Miasma:
Hier wird das Problem als etwas permanentes und fixiertes, unveränderbares erfahren. Die Reaktion darauf ist Akzeptanz statt Hoffnung. Es wird versucht das Problem zu verdecken, zu verstecken oder zu vermeiden.
Syphilitisches Miasma:
Im syphilitischen Miasma ist die Empfindung sehr tief. Das Problem wird als permanent, zerstörerisch und fatal erfahren. Die Reaktion ist von fast völliger Hoffnungslosigkeit und extremer Verzweiflung geprägt.
Die Zwischenmiasmen:
Typhöses Miasma:
Das typhöse Miasma liegt zwischen dem akuten und dem psorischem Miasma. Die Empfindung ist die einer Krise, die einer konzentrierten und intensiven Anstrengung bedarf. Ist die Krise vorbei kann man wieder ruhen.
Malaria Miasma:
Das Malaria-Miasma liegt zwischen dem akuten und dem sykotischen Miasma. Das Problem wird als fixiert und permanent, aber nicht als lebensbedrohlich erfahren. Jedoch kommen in Wellen immer wieder Phasen, in denen sich der Mensch angegriffen, verfolgt, aufgehalten etc. erfährt. Die Reaktion ist größtenteils geprägt von Akzeptanz. Während den akuten Phasen kann eine instinktive Reaktion erfolgen. Das charakteristische an diesem Miasma ist das Alternieren, das Abwechseln von Phasen akuter Aufregung mit Phasen der Akzeptanz.
Ringwurm Miasma:
Das Ringwurm Miasma liegt zwischen dem psorischen und dem sykotischen Miasma:
Die Empfindung wird hier als permanent und fixiert erfahren, aber es gibt ab und zu noch Phasen wo Hoffnung und Anstrengung die Reaktion darauf sind, jedoch alternierend mit Akzeptanz.
Krebs Miasma:
Das Krebs Miasma liegt zwischen dem sykotischen und dem syphilitischen Miasma. Die Empfindung ist geprägt von Chaos, welches wenn es außer Kontrolle geraten sollte zu Zerstörung führen würde. Die Person hat das Gefühl selbst nur begrenzte Fähigkeiten zu besitzen, diese Situation unter Kontrolle zu bringen und reagiert darauf, in dem sie sich über alle Grenzen hinaus anstrengt um das Chaos unter Kontrolle zu bringen. Es besteht wenig Hoffnung, aber wenn alle Kräfte mobilisiert werden lässt sich die Zerstörung vielleicht noch abwenden.
Tuberkulöses Miasma:
Auch dieses Miasma liegt zwischen sykotischem und syphilitischem Miasma.
In der Empfindung dieses Miasmas liegt aber noch mehr Verzweiflung als in der Erfahrung des Krebs Miasmas.
Die Erfahrung ist erdrückend, erstickend, eingeengt, wie kurz vor der Zerstörung.
Die Reaktion ist charakterisiert durch eine hektische Aktivität um sich davon zu befreien. Es besteht das Bedürfnis nach permanenter und vollständiger Veränderung. Es besteht wenig Hoffnung und die Zerstörung scheint immanent.
Lepröses Miasma:
Auch dieses Miasma liegt zwischen dem sykotischem und dem syphilitischem Miasma und ist in seiner Tiefe am nächsten dem syphilitischen Miasma anzusiedeln. Es herrscht fast die gleiche Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Es ist geprägt von einem enormenGefühl der Isolation. Ein Gefühl, als wenn man ausgestossen worden wäre, von allen verlassen und germieden wird. Gefühle der Selbstverachtung und des Ekels prägen dieses Miasma.
© 2007
Heilpraktiker Philip Witt
Praxis für Klassische Homöopathie
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